Warum ist Elternbildung immernoch ein Tabu?
- Anne-Katrin Böhm
- 8. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 9. Feb.

Es liegen einige Tage im Kinderspital hinter uns. Nach 3 Tagen auf der Intensivstation mit unserem neu geborenen Sohn, dürfen wir endlich nach Hause. Ich habe Angst und grosse Selbstzweifel:
Schaffen wir das?
Was, wenn es unserem Sohn wieder schlechter geht?
Was, wenn er schreit? Nicht stillt? Nicht schläft?
Ich dachte: "Wie krass, jetzt geben die uns das kleine Wesen einfach mit nach Hause. Einfach so. Ohne, dass sie wissen, wer wir sind und was wir können."
Stellt euch vor, ihr braucht eine Operation am Handgelenk. Der Chirurg erzählt euch, dass er keine Ausbildung gemacht hat und einfach mal los legt. "Kommt schon gut" sagt er. Er hat schon mal was über Handgelenke gelesen und sein Vater war auch Chirurg. Würdet ihr euch von ihm operieren lassen? Nein? Warum nicht? Und ja, jetzt denkt ihr vielleicht "Das ist doch nicht das Selbe." Dem widerspreche ist: Elternsein ist eine Aufgabe, eine Berufung, ein Job, harte Arbeit. Das machen wir nicht einfach so.
Ein Chirurg braucht ein jahrelanges Studium. Für unseren Beruf machen wir ebenfalls jahrelange Aus- und Weiterbildungen. Fürs Autofahren eine Fahrerlaubnis. Für Erste Hilfe einen Notfallkurs. Für Hunde eine Hundeschule usw. Eltern werden wir einfach so. Dabei ist Elternschaft eine der wichtigsten Aufgaben in unserer Gesellschaft. Weil die Kinder von heute, die Erwachsenen von morgen sind.
Und trotzdem ist Elternbildung so stigmatisiert.
Viele denken:
Eltern, die zur Beratung gehen, sind schwach.
Mütter, die einen Kurs besuchen, versagen.
Väter, die einen Vortrag besuchen, sind überfordert.
Wer Hilfe braucht, kriegt es nicht hin.
Übrigens ist das nicht nur mein Gefühl. Eine Studie der Berner Fachhochschule zeigt, wie stark Elternbildung immer noch stigmatisiert ist. Eltern wünschen sich Unterstützung und haben gleichzeitig Angst, dass es "herumerzählt" wird. Eine Studienleiterin sagt sogar: "Die gesellschaftliche Anerkennung der Erziehungsleistung sei – gemessen an ihrer Bedeutung – erstaunlich gering." Ganz ehrlich: Das passt doch nicht zusammen. Der wichtigste Job und von uns Eltern wird erwartet, das wir ihn einfach können. Und wenn wir es nicht hinkriegen und uns Hilfe holen, denken viele, dass wir schlechte Eltern sind.
Ich finde GENAU DAS GEGENTEIL IST DER FALL!
Wenn wir uns als Eltern Hilfe holen, uns weiterbilden oder uns über ein bestimmtes Thema informieren, ist das stark. So stark. Wir übernehmen Verantwortung. Wir wissen, zu lernen, heisst nicht "Ich kann das nicht". Es heisst: "Ich möchte das gut machen."
Denn Elternbildung
stärkt Eltern in ihrer Kompetenz als Mama, Papa oder Bezugsperson
fördert die Beziehungen untereinander
unterstützt wertschätzende Kommunikation miteinander
vermittelt Wissen zur Entwicklung, Erziehung (Begleitung) und Familienalltag
regt zur Reflexion der eigenen Kindheit und Elternschaft an und
fördert die Erziehungspartnerschaft zwischen Familie und Schule.
Quelle: Elternbildung.ch
Deswegen liebe ich den STEP Elternkurs. Weil er genau das bewirkt. Er bietet Eltern strukturierte Hilfe, um ihre Kompetenz als Eltern zu stärken, den Familienalltag stressfreier zu gestalten und eine respektvolle und tragfähige Beziehung zu Kindern aufzubauen. Über mehrere Wochen schauen wir uns verschiedene Themen an und diskutieren, wie ihr sie in euren Familien umsetzen könnt. STEP ist wie ein Buffet mit ganz vielen verschiedenen Angeboten bei denen ihr euch aussucht, was ihr braucht und was für euch und eure Familie funktioniert.
Am 9. März 2026 startet ein STEP Elternkurs via Zoom.
Für Eltern mit Kindern bis 12 Jahre.
Gemeinsam schauen wir uns folgende Themen an:
Ermutigung & Beziehungsaufbau: Den Fokus auf Stärken legen, um das Selbstvertrauen des Kindes zu fördern.
Verhalten verstehen: Verhalten analysieren und die Ziele dahinter verstehen.
Kommunikation & Grenzen: Respektvolles Kommunizieren, echtes Zuhören und das Setzen von logischen Konsequenzen statt Strafen.
Konfliktlösung: Konstruktive Wege finden, um Familienkonflikte zu lösen.
Alltagsrelevanz: Themen wie Hausaufgaben, Taschengeld, Mediennutzung und Mithilfe im Haushalt.
Reflexion: Den eigenen Erziehungsstil hinterfragen und anpassen
Mir hat die Elternbildung das "Leben gerettet". Als ich mit meinem 3 Monate alten Sohn an ein Elternbildungsprogramm gegangen bin, war ich so erleichtert, Nicht nur, weil ich dort viele Tipps bekommen habe, auch weil ich andere Eltern getroffen habe. Ich habe gemerkt, dass es nicht nur mir so geht. Dass auch andere Eltern struggeln. Und die gleichen Themen beschäftigen.
Also schau doch gern mal rein und melde dich heute noch an. Ich freu mich auf dich.
Herzlichst
Anne
PS: Dank dem Verein Gleichwertig kostet der Elternkurs für Eltern aus den Kantonen SG, AI und AR 270 CHF statt 375 CHF. Paare bezahlen 450 CHF statt 600 CHF. Eltern aus anderen Kantonen sind ebenfalls herzlich willkommen und zahlen die regulären Preise.
PPS: Das STEP Konzept ist wissenschaftlich fundiert und erreichte 2019 bei einer Einschätzung durch CTC-ExpertInnen (CTC= Communities That Care) die Höchstpunktzahl und wird von der Schweizerischen Gesundheitsstiftung RADIX als Präventionsprogramm empfohlen (www.pfgwirkt.ch). Das STEP Konzept ist zudem als Empfehlung auf der Liste zur Gesundheitsförderung Schweiz, Interventionen und Massnahmen für die kantonalen Aktionsprogramme (KAP), Orientierungsliste KAP 2022 aufgeführt.




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